
Kinder, neben Mitläufern eine der wenigen nachwachsenden Ressourcen Deutschlands, benötigen deutlich zu lange, um erwachsen zu werden, bemängeln Wirtschaftsexperten jeden Mittwoch am Stammtisch ihrer Wirtschaft. Selbst wenn es einem Menschen hierzulande trotz Gammelfleisch, Atomunfall und Klimawandel gelingen sollte, ein Alter von 100 Jahren zu erreichen, seien fast 20 Prozent dieser Lebenszeit mit Kindheit, Erziehung und Ausbildung verschwendet. Genau hier setzt die geliebte Bundesregierung an. "Was für Mastvieh funktioniert, kann für Kinder nicht verkehrt sein", so ein Sprecher des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen, Jugend und sonstige Problemgruppen.
Ab dem 01.01.2010 sollen Kinder daher konsequent durch das Gesetz zur Beschleunigung des Lebens und der Optimierung deutscher Wirtschaftskraft gefördert werden, um die mangelhafte Wachstumsgeschwindigkeit der kleinen Humanressourcen nachhaltig zu optimieren. Neben Einsatz von am Tier erprobten Wachstumspräparaten zielt das Gesetz vor allem auf die Verkürzung exorbitanter Ausbildungszeiten. Im Alter von 10 Jahren, so der Rahmenplan der geliebten Bundesregierung, soll zukünftig die Schullaufbahn eines Kindes abgeschlossen sein - bei gleichbleibenden Lehrinhalten. "Die Kinder werden so gleichzeitig gefördert und gefordert", freut sich das Ministerium unter Ursula von der Leyen.
Immer und immer wieder sind die quängelnden Beschwerden schlauer Wirtschaftsvertreter zu vernehmen, die sich wehleidig beklagen, Kinder seien eine Ressource, die unzureichend ausgebeutet werde. Kinder in Deutschland nehmen häufig erst im Alter von 14 oder 15 Jahren erste Kontakte mit der beruflichen Karriere auf, selbst dann jedoch nur durch wenig ernstzunehmende Schein-Beschäftigungen wie Zeitungaustragen oder Webdesign. Dritteweltländer seien hier fortschrittlicher, so der international anerkannten Wirtschaftsexperte Hans-Werner Unsinn mit einem Augenzwinkern, da die Kinder dort bereits sehr früh in produktive Tätigkeiten wie Teppichknüpferei, Sportschuhherstellung, Schneiderei oder World of Warcraft-Leveling eingebunden seien. So eine ungeheure Verschwendung menschlicher Arbeitskraft wie in Deutschland, fügt er mit einem Lächeln hinzu, das man sonst nur vom psychopathischen Nachbarn kennt, der gerade zufällig den geliebten Hund überfahren hat, gebe es dort einfach nicht. In jenen Ländern könnten somit unter nicht ganz so waldorf-pädagogischen Bedingungen günstige Waren und Dienstleistungen geschaffen werden, die dann durch ihren Verkauf in Industrienationen mittels Mondpreisen das Ausnehmen der ansässigen Bevölkerung ermöglichten, während die europäische Konkurrenz ins Hintertreffen gerate. Die unheilvolle 68er-Ideologie, die Kinder als besonders schützenswerte junge Menschen betrachte, müsse zum Erhalt wirtschaftlicher Konkurrenzfähigkeit endlich aufgegeben werden: "So selbstverständlich wie wir alte Menschen als überflüssig betrachten, müssen Kinder als junge Arbeitskräfte gesehen werden", konstatiert folgerichtig der SPD-Sozi O. Path, Experte für Sozialfragen.
Von negativen Einflüssen, die von solch umtriebigen Aktivitäten wie herumtollen, sich dreckig machen, Wasserbomben bauen, konspirativ Freunde treffen, eine gemeinnützige Tarn-Vereinigung gründen, gesellschaftskritische Literatur verschlingen oder im Internet unzensiert umhersurfen ausgingen, würden die Kinder durch eine frühzeitige Einbindung in die Produktionsprozesse wirksam ferngehalten, so der Demagogie-Pädagoge Dr. Kurt-Horst von Wegen. Die Kleinen lernten so bereits in jungen Jahren, daß es im Leben nur um eines gehe: Arbeit, Arbeit über alles. "Jede Sekunde, die ein Kind wahllos mit Spielen verbringt, anstelle zielgerichtet die eigene Karriere voranzutreiben, ist eine verlorene Sekunde, die wir Wirtschafts-Pädagogen als verlorene Kindheit bezeichnen".
Neben Reformen der ineffizient genutzten Kindheit und der unerhörten Studienzeiten in Deutschland, die in vereinzelten Fällen bis zu mehrere Semester betrage, wagt die geliebte Bundesregierung auch einen radikalen Vorstoß zur Wurzel der Probleme, der neunmonatigen Schwangerschaft. "Was passiert in diesen neun Monaten?", fragt sich ein Sprecher des Finanzministeriums unter Peer Steinbrück sichtlich befremdet. "Nichts! Der Fötus sitzt einfach da, hält die Hand auf und lässt sich auf Kosten der Gemeinschaft aushalten, ohne irgendeine Leistung zu erbringen. Wir können nicht das Arbeitslosengeld kürzen und auf der anderen Seite neun Monate Schwangerschaft für unproduktive Föten dulden, das ist inkonsequent und unsolidarisch. Hier besteht enormes Optimierungspotential für eine wirtschaftliche Rationalisierung".
Nach Turbo-Abi, Turbo-Uni, Turbo-Bräuner und Turbo-Diesel kommt nun endlich auch die Turbo-Schwangerschaft. In zwei Phasen soll diese zunächst auf sechs, endgültig dann auf drei Monate verkürzt werden. Die geliebte Bundesregierung wird dazu notfalls einige der zuvor erlassenen Naturgesetze aufheben. Wer nach sechs beziehungsweise drei Monaten noch nicht selbständig lebensfähig sei, so der kühle Rechenkopf des Finanzministeriums, habe eben Pech gehabt, man könne nicht jeden für alle Ewigkeit auf Kosten anderer durchfüttern. Der volkswirtschaftliche Schaden, den die langgezogene Schwangerschaft verursacht, ist enorm. Meist sind es Frauen, die von den fiesen Schwangerschaftsschmarotzern für neun Monate ausgenutzt werden, die damit folglich nicht nur sich selbst dem Arbeitsprozess entziehen, sondern auch die Arbeitsleistung ihrer Wirte deutlich schmälern. Dank der Initiative der geliebten Bundesregierung wird dem nun endlich ein Ende gesetzt.